„Haus ohne Dach“ von Soleen Yusef gewinnt Friedensfilmpreis Osnabrück - Unabhängiges Filmfest Osnabrück
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„Haus ohne Dach“ von Soleen Yusef gewinnt Friedensfilmpreis Osnabrück

 

„Haus ohne Dach“ von Soleen Yusef gewinnt Friedensfilmpreis Osnabrück.
Der Publikumspreis geht an „Mellow Mud“ und der Filmpreis für Kinderrechte an „Starless Dreams“

Der deutsch-kurdische Spielfilm „Haus ohne Dach“ von Regisseurin Soleen Yusef gewinnt den Friedensfilmpreis der Stadt Osnabrück, der mit 12.500 Euro dotiert ist und von der Sievert Stiftung für Wissenschaft und Kultur gestiftet wird. In ihrem kraftvollen Debütfilm widmet sich die Regisseurin der Irak-Odyssee dreier Geschwister und setzt sich dabei auf herausragende Weise mit den Wunden der Vergangenheit auseinander. Im Rahmen der Preisverleihung des 31. Unabhängigen FilmFest Osnabrück nahm Regisseurin Soleen Yusef den Friedensfilmpreis in der Lagerhalle Osnabrück entgegen.

Haus ohne Dach erzählt uns in großen Kinobildern den Konflikt in Kurdistan vor dem Hintergrund einer Familiengeschichte, in der es um das Verständnis von Identitäten geht“, heißt es in der Begründung der Jury für den Friedensfilmpreis Osnabrück, die sich aus der Regisseurin Sung-Hyung Cho, der Medienjournalistin Anne Krüger und dem Produzenten Gunter Hanfgarn zusammensetzt. „Die Region, in der sich das Drama abspielt, gehört aktuell zu den umkämpftesten Weltregionen. Haus ohne Dach gibt uns mit der Odyssee der drei Geschwister einen Einblick in das oft schwer verständliche politische Flechtwerk der Region. Aber auch in die ganz persönliche Dimension des Konfliktes um Identität und Zugehörigkeit. Die drei Geschwister finden sich am Ende auf unterschiedlichen verschlungenen Wegen am Grab des Vaters ein, wie ein emotionaler Zeitraffer rückwärts. Die Flucht mit dem Sarg der Mutter ist letztlich eine späte, immer wieder aufgeschobene Reise zu sich selbst.“

Ein Kinostart für Soleen Yusefs Film „Haus ohne Dach“ ist für Mitte 2017 geplant.

Der Publikumspreis geht an das lettische Coming-of-Age-Drama „Mellow Mud“ von Regisseur Renārs Vimba: Die aufwühlende Geschichte der 17-jährigen Raya, die nach dem Tod der strengen Großmutter mit ihrem kleinen Bruder Robis ganz auf sich allein gestellt ist, erhält den mit 2.500 Euro dotierten, von den Stadtwerken Osnabrück gestifteten Publikumspreis des Festivals.

Der mit 2.000 Euro dotierte Filmpreis für Kinderrechte, gestiftet vom Fachbereich Kinder, Jugend und Familien der Stadt Osnabrück, wird von der vierköpfigen Jugendjury an die Dokumentation „Starless Dreams“ von Regisseur Mehrdad Oskouei verliehen. Der Film fängt auf feinfühlige Weise das Leben junger Frauen in einer iranischen Haftanstalt ein.
„Die filmische Umsetzung hat uns gut gefallen, da der Film seinen Bildern viel Freiraum gibt, um für sich zu sprechen. Man sieht immer wieder die lebensfrohen Jugendlichen auf der einen und die hilflosen verzweifelten jungen Frauen auf der anderen Seite. Die Mädchen leiden und niemand setzt sich für die Durchsetzung ihrer Rechte ein, dabei sind sie teilweise noch nicht einmal volljährig“, heißt es in der Begründung der Jury aus vier Jugendlichen im Alter zwischen 13 und 17 Jahren. „Toll fanden wir bei den Interviews die Fokussierung auf das jeweilige Mädchen; ihnen wurde Zeit gegeben, um zu antworten. Es ist beeindruckend, wie die Mädchen ihre tragischen Geschichten trotz ihres Kummers vor der Kamera erzählen.“ Der iranische Regisseur Mehrdad Oskouei nahm den Filmpreis für Kinderrechte persönlich entgegen.

Der vom Publikum vergebene Preis für den besten Kurzfilm, dotiert mit 500 Euro, gestiftet vom Studierendenrat der Universität Osnabrück, geht an „[Out of Fra]me“ von Regisseurin Sophie Linnenbaum.

 

Die Gewinner des 31. Unabhängigen FilmFest Osnabrück

Friedensfilmpreis Osnabrück
dotiert mit 12.500 Euro, gestiftet von der Sievert Stiftung für Wissenschaft und Kultur

Preisträger: „Haus ohne Dach“ (Regie: Soleen Yusef)

HausOhneDach_02

Jurybegründung:
Haus ohne Dach erzählt uns in großen Kinobildern den Konflikt in Kurdistan vor dem Hintergrund einer Familiengeschichte, in der es um das Verständnis von Identitäten geht. Die Geschwister Alan, Jan und Liya, alle in Kurdistan geboren und in Deutschland aufgewachsen, wollen den letzten Wunsch ihrer Mutter erfüllen, sie neben dem im Krieg verstorbenen Vater im kurdischen Heimatdorf zu begraben.

Schon das methaphorische Anfangsbild, steht für den elliptischen Erzählstil des Films, der nichts auserzählt, sondern den Zuschauer zum Nachdenken anregt. Wir sehen die noch junge Familie in einem improvisierten Fotostudio. Durch einen Stromausfall liegt das Geschehen im Dunkeln, die Szenerie wird nur durch kurze Kamerablitze erhellt.

Im Dunkeln liegt auch die Geschichte des verstorbenen Vaters, dessen umstrittene Rolle im Krieg zu Auseinandersetzungen innerhalb der kurdischen Großfamilie führt. Über den Tod der Eltern hinaus – wird der Sarg der verstorbenen Mutter zu einem Identitäts-Anker zwischen Zugehörigkeit und Verrat.

Besonders berührend inszeniert sind die zwischenmenschlichen Begegnungen im Film, welche von unterhaltsam-absurd bis zu tiefsinnig-poetisch reichen.

Die Region, in der sich das Drama abspielt, gehört aktuell zu den umkämpftesten Weltregionen. Haus ohne Dach gibt uns mit der Odyssee der drei Geschwister einen Einblick in das oft schwer verständliche politische Flechtwerk der Region. Aber auch in die ganz persönliche Dimension des Konfliktes um Identität und Zugehörigkeit. Alle drei finden sich am Ende auf unterschiedlichen verschlungenen Wegen am Grab des Vaters ein, wie ein emotionaler Zeitraffer rückwärts. Die Flucht mit dem Sarg der Mutter ist letztlich eine späte, immer wieder aufgeschobene Reise zu sich selbst.

Jury: Sung-Hyung Cho, Gunter Hanfgarn, Anne Krüger

 

Publikumspreis des 31. Unabhängigen FilmFest Osnabrück
dotiert mit 2.500 Euro, gestiftet von den Stadtwerken Osnabrück

Preisträger: „Mellow Mud“ (Originaltitel: Es Esmu Šeit, Regie: Renārs Vimba)

Mellow Mud_Publikumspreis_2016

 

Filmpreis für Kinderrechte
dotiert mit 2.000 Euro, gestiftet vom Fachbereich Kinder, Jugend und Familien der Stadt Osnabrück

Preisträger: „Starless Dreams“ (Originaltitel: Royahaye Dame Sobh, Regie: Mehrdad Oskouei)

Starless Dreams_Gewinner Filmpreis für Kinderechte 2016

Jury: Lina Leimbrock, Hannah Martin, Lena Kellersmann und Aaron Küper

Jurybegründung:
Wir, die Jugendjury, hatten viel Spaß, an einem Wochenende die für den Filmpreis der Kinderrechte nominierten Filme gemeinsam anzuschauen und einen Gewinner zu bestimmen. Es ist uns nicht leicht gefallen, eine Entscheidung zu treffen, aber letztendlich haben wir uns für „Starless Dreams“ von Regisseur Mehrdad Oskouei entschieden.

Besonders der Aufbau der Dokumentation über Mädchen in einem iranischen Korrektur- und Rehabilitationszentrum hat uns überzeugt. Alle dort sind Opfer von Misshandlung, Drogenmissbrauch oder Zwangsheirat und begingen infolgedessen Straftaten. Der Film begleitet die jungen Frauen beim alltäglichen Leben in diesem Zentrum. Die Mädchen erscheinen herzlich, nicht kaltblütig, lachen miteinander, trösten sich gegenseitig und sprechen sich Mut zu. Sie sind einfach ganz normale Menschen und ihre teilweise sehr schlimmen Taten stehen nicht im Vordergrund. Besonders berührt hat uns, dass sich einige von ihnen hinter den dicken Mauern, in der Gemeinschaft der Insassinnen, sogar besser aufgehoben fühlen als bei ihren Familien. Sie fürchten den Tag der Entlassung. Der starke Zusammenhalt der jungen Frauen ist dabei aus der bitteren Gewissheit geschmiedet, in einer Gesellschaft zu leben, welche die Unterdrückung von Frauen hinnimmt und ihnen keine wirklichen Zukunftsperspektiven eröffnet.

Die filmische Umsetzung hat uns gut gefallen, da der Film seinen Bildern viel Freiraum gibt, um für sich zu sprechen. Man sieht immer wieder die lebensfrohen Jugendlichen auf der einen und die hilflosen verzweifelten jungen Frauen auf der anderen Seite. Die Mädchen leiden und niemand setzt sich für die Durchsetzung ihrer Rechte ein, dabei sind sie teilweise noch nicht einmal volljährig. Toll fanden wir bei den Interviews die Fokussierung auf das jeweilige Mädchen; ihnen wurde Zeit gegeben, um zu antworten. Es ist beeindruckend, wie die Mädchen ihre tragischen Geschichten trotz ihres Kummers vor der Kamera erzählen. Das lässt auf eine gute Beziehung zu dem Filmteam schließen, das sich scheinbar wirklich mit den Mädchen auseinandergesetzt und eine Beziehung aufgebaut hat. Dass ausschließlich der Originalton eingesetzt wurde, fanden wir hierbei sehr passend. All das hat uns letztendlich von Starless Dreams überzeugt!

Eine besondere Erwähnung möchten wir jedoch auch dem Film „Alba“ von Regisseurin Ana Cristina Barragán aussprechen, denn auch dieser Film hat uns sehr berührt. Die Entscheidung zwischen den Filmen fiel uns nicht leicht.

Herzlichen Glückwunsch an „Starless Dreams“!

 

Preis für den besten Kurzfilm
Dotiert mit 500 Euro, gestiftet vom Studierendenrat der Universität Osnabrück

Preisträger: „[Out of Fra]me“ (Regisseurin: Sophie Linnenbaum)

[Out Of Fra]me_Kurzfilmpreis 2016